Das Stillverhalten in Indien
In Indien hängt es meistens von
der sozialen Stellung der Frau ab, ob sie im Krankenhaus oder zu
Hause entbindet.
In der mittleren und oberen Schicht der Stadtbevölkerung ist
überwiegend eine Entbindung in der Klinik Routine.
Die untere Mittelklasse und Landbevölkerung entbindet daheim, nur
mit einer Hebamme (keine Arzt!).
Die gleiche Ordnung trifft man
auch bezüglich des Stillverhaltens innerhalb dieser sozialen
Schichten an. Die Landbevölkerung und untere Mittelklasse stillt
fast ausnahmslos, bei der oberen Klasse und Stadtbevölkerung dagegen
lag die Stillrate bis vor 3 Jahren eher im unteren Bereich.
Es war üblich, daß
Formula-Produkte die sehr günstig zu erwerben waren, oft nicht das
enthielten, was das Etikett versprach (Vitamine, Mineralstoffe
usw.). Erst bei teuren Artikeln konnte man sicher sein, dass der
Inhalt mit der Aufschrift übereinstimmte.
Aufgrund dieser Mißstände und natürlich den daraus resultierenden
gesundheitlichen Folgen für die Kinder begann das indische
Gesundheitsministerium mit einer Kampagne für das Stillen. Diese
beinhaltet Aufklärung über die Vorteile des Stillens, Hygiene und
Unterstützung der Mutter.
Dadurch konnte die Stillrate innerhalb der letzten 3 Jahre erheblich
gesteigert werden.
Bei einer Entbindung in der Klinik
sind die Babys immer bei den Müttern. Stillprobleme sind eigentlich
nicht bekannt, die positive Einstellung und Informationen aus
Büchern unterstützen das Stillen.
Die Stilldauer beträgt meist 6-12
Monate. Im 3. Monat wird Beikost eingeführt in Form von gekochten
Reis und Gemüse, ab dem 4. Monat gekochte Linsen.
Mit ½ Jahr erhält das Kind zur Muttermilch die normale Kost der
Familie (meist noch mal gekocht oder zerkleinert.)
Den Frauen wird von ihrer Familie
eine Ruhezeit von 40 Tagen nach der Entbindung gewährt. In dieser
Zeitspanne galt die Frau als „unrein“. Sie darf keine Küche betreten
(somit auch nicht kochen), nichts Schweres heben und keinen
Geschlechtsverkehr haben. Als spezielle „Stillkost“ erhält die
Mutter sehr eiweißreiche Nahrung.
Die Frage, ob das Baby bei der
Mutter im Bett schläft oder ein eigenes hat, ist wie bei der
Entbindung und Stillen wieder vom sozialen Status abhängig. Land-
und Dorfbevölkerung sowie untere Mittelklasse nehmen ihre Kinder wie
selbstverständlich mit ins eigene Bett. Bei der oberen Klasse und
Stadtbevölkerung setzt sich der Trend zum eigenen Kinderbett immer
mehr durch.
Oberarzt Dr. Sawhney beschreibt
noch ein traditionelles Ritual:
Nach der Entbindung – vor dem ersten Anlegen - wird die Brust der
Frauen mit einem speziell hergestellten Sud abgewaschen.
Dieser wird aus den grünen Blättern (die grüne Farbe gilt in Indien
als Glücksbringer) der Chininpflanze hergestellt.
Normalerweise wird Chinin zum desinfizieren genommen.
Somit soll zum Einem die Brust gereinigt werden und zum Anderen
steht die grüne Farbe für eine erfolgreiche Stillzeit.
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