Unsere Stillzeit
David, unser Sohn ist heute bereits 5 Monate alt
und ist seit ca. 6 Wochen ein reines „Flaschenkind“. Bei dem Versuch,
mich an unsere Stillzeit zu erinnern, stoße ich immer häufiger auf
Lücken in meinem Gedächtnis. Welche Probleme waren eigentlich für uns
die schlimmsten? Wie kam es, dass ich schon so „früh“ abgestillt habe? …
Deswegen möchte ich heute versuchen, meine Gedanken
festzuhalten und sie in diesem Bericht nieder zu schreiben.
Vormilch
Schon lange vor der Geburt unseres Sohnes hatte ich
täglich Probleme durch die ständig austretende Vormilch. Ich sollte
vielleicht kurz erwähnen, dass ich schon Wochen vor dem errechneten
Geburtstermin wegen heftiger Wehen für 14 Tage im Krankenhaus lag, und
auch nur durch Wehenhemmer in die 38. SSW kam. David lag von Anfang an
sehr tief im Becken, drückte mit wachsendem Gewicht immer mehr auf den
Muttermund und so machte sich die Gebärmutter wohl schon viel zu früh
bereit für den großen Tag. Sie übte und übte Wehen, mit Erfolg. Und mit
den Wehen und den so ausgeschütteten Hormonen kam auch schon die
Vormilch. So wurde mir zumindest der Zusammenhang erklärt. Jedenfalls
war ich Wochen vor der Geburt nur noch mit Still-BH unterwegs, trug
Stilleinlagen (auch nachts) und war mir eigentlich sicher, dass ich
stillen werden könnte, zumindest theoretisch. Denn, wie schon so oft
gehört, konnte man ja gar nicht sicher sein, ob man stillen konnte.
Mutter hatte damals keine Milch, Schwiegermutter hatte keine Milch,
meine Oberweite machte eher den Anschein, nicht genug Essbares speichern
zu können, und dann machte ich mir auch noch Gedanken über meine kleinen
Brustwarzen. Würden die überhaupt dazu taugen, um ein Kind zu stillen?
Milch würde ich bestimmt haben, aber würde das mit dem Stillen trotzdem
klappen?
Abpumpen und Zufüttern
Nun, der Tag der Geburt kam, und David erblickte 16
Tage zu früh das Licht der Welt.
Es war alles an ihm dran, nur weit und breit war
kein Saugreflex. David war nur müde, schlief ohne Ende, und kam von
selbst nicht auf den Gedanken, nach seiner Nahrungsquelle zu suchen. Da
half nichts, auch kein nackiges Känguruhn, was mir immer wieder
empfohlen wurde. Ich erinnere mich noch ziemlich genau daran, wie ich
einzelne Tropfen der kostbaren Milch aus meinen Brustwarzen heraus
quetschte, in einer Spritze auffing und David anschließend wieder in den
Mund einträufelte. Ja, damals ging es um 2mg, die ich mit Mühe und Not
aus mir herausholen konnte. Und ich war sehr erstaunt, dass genau diese
2 mg ausreichend waren zur Ernährung von David. Ziemlich schnell
entschied ich mich noch im Krankenhaus dazu, die Milchpumpe zu Hilfe zu
nehmen. Denn soweit war es ja logisch: Solange an meiner Brust nicht
gesaugt wurde, so lange konnte auch kein Milcheinschuss kommen. Und so
lange da keine Milch raus kam, so lange würde David auch nicht zum
Saugen anfangen.
So begann eine sehr aufwendige Zeit des Abpumpens
und Zufütterns. Aber wie die nächsten zwei Wochen zeigten, war der
Aufwand durchaus gerechtfertigt. David bekam leider auch noch eine
gehörige Frühgeborenengelbsucht, die ihn nochmals extrem schwächte und
seine Hauptbeschäftigung wieder das Schlafen werden ließ. Wir wurden aus
dem Krankenhaus entlassen, und zu Hause begann dann die wirklich
anstrengende Zeit. Auf mich allein gestellt, ohne weitere Unterstützung
einer immer paraten Krankenschwester, sollte David nun alle 3 Stunden
essen, und meistens wachte er auch von selbst auf. Für mich klingelte
stets der Wecker schon 1 Stunde vorher, da ich ja abpumpen musste. Die
abgepumpte Milch, die sich wirklich pro Tag um 10 ml erhöhte, wurde
gleich anschließend wieder David gefüttert. Während Söhnchen weiter
schlummern konnte, musste ich die Flaschen reinigen, die Pumpe säubern
und das gesamte Material im Vapo reinigen, denn etwa in 1 ½ bis 2
Stunden später wurde ja alles schon wieder gebraucht.
Milcheinschuss
In diesen zwei Wochen des Pumpens hatte ich also
tatsächlich auf eher unnatürliche Weise meinen Milcheinschuss
hervorgerufen, den ich heute mehr oder weniger schmerzhaft in Erinnerung
habe. Die Brüste schwollen an, waren heiß und taten weh. Die Brustwarzen
waren ihre Beanspruchung auch nicht gewohnt, und entzündeten sich
leicht. Hier wusste meine Hebamme Rat. Ich bekam von ihr Globuli.
Belladonna und Silecia, welche ich abwechselnd schlucken musste, und
gegen die entzundenen Brustwarzen half einfache Ringelblumensalbe. Damit
die Milch leichter austreten konnte, wärmte ich die Brust kurz vor dem
Abpumpen immer mit einem warmen Kirschkernkissen. Dadurch wurden die
Milchkanäle geweitet, und die Milch begann sehr leicht zu laufen. Nach
dem Abpumpen kühlte ich die Brust auf Anraten meiner Hebamme mit einem
nassen Waschlappen, den ich im Gefrierschrank gehörig abkühlen ließ. Die
Prozedur mit den ebenso empfohlenen Quarkwickeln ersparte ich mir, da
ich wenig Lust auf dieses „Gematsche“ hatte, und mir diese Variante auch
zu aufwendig schien, vor allem nachts. So bekam ich diesen schmerzhaften
Milcheinschuss relativ schnell in den Griff, ich denke nach spätestens 3
Tagen hatte sich die Situation normalisiert.
Schlaf bekam ich in diesen Tagen nur sporadisch und
in kleinen Portionen, und so sehnte ich mich nach dem Tag, an dem ich
David endlich ganz normal anlegen konnte. Als seine Gelbsucht endlich
überstanden war, und er mit seinem Gewicht etwas aufgeholt hatte,
stellte ich mich dieser Herausforderung. Denn von meiner Hebamme hatte
ich gehört, dass es meistens nicht sehr einfach ist, Flaschenkinder
wieder an die Brust zu bringen, da das Trinken aus der Flasche
wesentlich einfacher geht. David versuchte auch 2 Stunden lang, mich
durch Schreien zu überreden, ihm vielleicht doch das Fläschchen zu
richten. Aber ich ließ mich nicht beirren, legte ihn immer wieder an,
und gewann diese kleine Diskussion. Zwei Stunden später trank David ganz
normal von meiner Brust.
Das erste Anlegen
An das erste „erfolgreiche“ Anlegen im Krankenhaus
erinnere ich mich noch heute ganz genau. Die Krankenschwester mühte sich
gemeinsam mit mir ab, David richtig an meine Brust zu legen, und ihm
meine dann doch etwas kleine Brustwarze in den Mund zu manövrieren. Ich
war damals schon reichlich entnervt, der Schweiß stand mir regelrecht
auf der Stirn, und von dieser ewigen verkrampften Körperhaltung taten
mir alle Knochen weh. Wie schön war es aber, als David plötzlich saugte.
Es war nur ein kurzer Augenblick, aber dieses Gefühl ging durch und
durch. Vor Freude trieb es mir die Tränen in die Augen. Mein Sohn
saugte, an meiner Brust, … ich war überglücklich.
Erste Probleme
Nun gut, David trank nun also von meiner Brust,
aber schon wieder war Hilfe nötig. Vorher, beim Abpumpen wusste ich
stets aufs Gramm genau, was unser Sohn zu sich genommen hatte. Doch nun,
so ganz ohne Milliliterangabe war ich doch reichlich verunsichert. Woher
konnte ich sicher sein, dass er auch wirklich genug bekam, da er ja
sowieso immer schrie? Woher sollte ich wissen, wann ihn der Hunger
plagte, und wann er noch nicht genug gesaugt hatte. Hier stellte sich
dann ein weiteres Mal die Problematik, dass Schwierigkeiten an sich
stets zu Uhrzeiten auftreten, in denen „normale“ Menschen schlafen. Und
so plagten uns auch diese Unklarheiten mitten in der Nacht, wo uns
allerdings der Anstand verbot, wieder bei der Hebamme anzurufen. Ein
Vorteil also, wenn es ein Stillcafe gibt, und eine Neugeborenenstation
im Krankenhaus, wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann, ohne
ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Stillberaterin wusste Rat:
An jeder Brust mindestens 20 Minuten saugen lassen, und vor allem so
lange angelegt lassen, bis die Brust leergetrunken ist. Und das merkt
man wirklich. Sollte ich auch hier immer noch zu unsicher sein, dann
könne ich auch David vor dem Anlegen wiegen, und gleich nach dem Anlegen
wieder. Die Differenz ist logischerweise die getrunkene Menge.
Mit diesen Tipps kam ich die folgenden Tage ganz
gut über die Runden. Die Sache mit der Gewichtskontrolle habe ich aber
nicht exzessiv betrieben, denn da kann man sich ja wahrlich verrückt
machen. Wichtig ist eigentlich nur, dass das Kinderl so etwa 6-8 nasse
Windeln am Tag produziert. Und wenn man das Gewicht wöchentlich
kontrolliert, und sich dabei keine Unregelmäßigkeiten zeigen, dann läuft
auch mit dem Stillen alles rund. David nahm in der Woche stets 100 bis
200 g zu, somit waren wir auf der sicheren Seite.
Saugverwirrung
Das Thema Saugverwirrung, schwierig vor allem in
den ersten 5 Lebenswochen, war für uns nie ein Problem. David konnte
immer gut unterscheiden, was Brust und was Sauger war, und so konnte ich
ihm auch nebenbei Fencheltee anbieten. David war die ersten 10 Wochen
seines Lebens nämlich auch noch ein ausgesprochenes Schreikind, geplagt
von Blähungen, die ich durch nichts in den Griff zu bekommen schien.
Blähungen
Ich gab ihm Fencheltee, Bauchwehtee, kochte Kümmel
aus und gab ihm das Kümmelwasser zu trinken, bzw. richtete sein
Fläschchen mit Kümmelwasser. Ich selbst schluckte löffelweise Kümmel
pur. Davids Bauch wurde mit Windsalbe gecremt, massiert, die Füße wurden
warm gehalten, die Fluoretten wurden in die Morgenstunden verlegt, wir
versuchten es mit Kümmelöl, gaben Lefax, Sab simplex und Globuli gegen
Krämpfe, und bestimmt noch einige Sachen mehr, die mir im Augenblick nur
nicht mehr einfallen. Von meinem reduzierten Speiseplan ganz zu
schweigen… Richtig geholfen hat leider nichts, nur unser Fön. Diesen
Tipp bekamen wir, ich weiß nicht mehr von wem, aber er ist Gold wert.
Wann immer David schrie und sich durch nichts beruhigen ließ, legten wir
ihn auf seine Wickelablage im Bad, und fönten ihm den Bauch. Natürlich
vorsichtig, damit er sich nicht weh tat. Allein durch das monotone
Geräusch beruhigte er sich immer in Sekunden schnelle, und er entspannte
stets total. Arme und Beine, die vorher noch ruckartig gezappelt hatten
lagen entspannt auf der Wickelauflage, und unser Sohn schlummerte ein.
Ja, dieser kleine Trick half uns oft über schwierige Stunden, denn er
brachte uns und unserem Sohn wenigstens für kurze Momente Ruhe und
Entspannung.
Nun, unsere Stillzeit ging also nach dem
erfolgreichen Anlegen in der 3. Woche normal weiter. Die elektrische
Pumpe wurde wieder zur Apotheke zurück gebracht, und für die folgenden
Wochen tat meine Handpumpe von Avent einen hervorragenden Dienst. Leider
blieben aber die weiteren Problemchen nicht aus.
Zufüttern
David hatte vor allem abends einen riesigen
Appetit, trank unheimlich viel, und so musste ich ihn ständig wieder
anlegen. Ich selbst trank sehr viel, stilles Mineralwasser, Malzbier,
und Still- oder Fencheltee, aber ich bekam scheinbar nicht die
erforderliche Menge Milch für unseren Sohn her. Und wenn ich einmal
dachte, dass es nun vielleicht genug sein würde, dann kam bestimmt ein
Wachstumsschub, der David wieder hungriger werden ließ. Einige Zeit
pumpte ich tagsüber Milch ab, die ich abends zufüttern konnte, aber als
David auch tagsüber mehr forderte, blieb für abends nichts mehr übrig.
So kam es, dass ich bereits nach etwa 6 Wochen begann, abends
zuzufüttern.
Der Gedanke, komplett auf Fläschchen umzustellen,
war häufiger präsent. Zum einen könnte dann auch mal jemand anders die
Mahlzeit übernehmen, zum anderen würden vielleicht auch die Blähungen
von David weniger werden … dachte ich. Leider liegt genau im zweiten
Gedanken der Fehler, denn auch Flaschenkinder leiden an Blähungen. Durch
das Schütteln der Flaschen wird ja erst recht Luft mit in die Nahrung
gemixt. Und dann war da auch immer noch der Gedanke: Wenn ich jetzt
abstille, dann gibt es keine weitere Stufe mehr zurück. Denn wenn die
Problematik auch mit der Flasche nicht besser wird, dann kann keine
andere Lösung mehr versucht werden. Denn nach dem Abstillen gibt es kein
Zurück an die Brust, und eine andere Variante der Fütterung gibt es
nicht. So wurde also weiter gestillt.
Häufiger Anlegen…
Gleichzeitig mit der Zufütterproblematik tat sich
für uns auch noch eine weitere Schwierigkeit auf. Da David so viel
schrie, so sehr von Blähungen geplagt war, bekam ich den Rat, ihn
häufiger anzulegen. Durch das Schreien, so wurde mir erklärt, würde noch
mehr Luft in den Bauch geraten, und die Blähungen würden auf diese Weise
noch verstärkt. Häufiger anlegen … aber was genau hieß denn das? Ich
hatte den kleinen Wurm ja eh schon alle drei Stunden an der Brust … .
Ehe ich mich versah, waren wir in einer teuflischen Sackgasse gelandet.
Ich legte David jedes Mal an, wenn er schrie. Das hieß quasi jede Stunde
mindestens. Die Brust hatte keine Zeit mehr, sich zu füllen, David
konnte nicht mehr so viel saugen, wie er benötigte. Dies hatte zur
Folge, dass er viel schneller wieder Hunger bekam, noch häufiger schrie,
ich ihn wieder und wieder anlegte, er aber noch immer nicht genug
trinken konnte. Durch das ständige Schreien und Hunger haben fehlte ihm
dann allmählich der Schlaf, und durch die Übermüdung wurde er noch
quengelicher. Beim Saugen war er total erschöpft, er schlief sehr
schnell an der Brust ein, trank wieder zu wenig, hatte wieder kurze Zeit
später Hunger, schrie wieder, …
Nach drei Tagen war es soweit gekommen, dass ich
unseren Sohn nahezu im 10-Minuten-Takt anlegte, und ich war wirklich fix
und fertig. Heute weiß ich, das häufigere Anlegen hatte ich falsch
umgesetzt. Aus dieser Misere raus kamen wir nur durch eine radikale Kur,
die sicherlich nicht jeder Mutter liegt. Ich ließ David schreien. Immer
wieder ging ich an sein Bettchen, versuchte ihn zu beruhigen, sprach mit
ihm. In dieser Nacht schwitzte ich wahrlich Blut und Wasser, und diese 3
Stunden schienen endlos zu sein. Wie oft ich hingehen, und ihn raus
nehmen wollte, weiß ich nicht, aber irgend etwas gab mir die Kraft,
diese Phase durch zu stehen. Sicherlich könnte man jetzt sagen: Warum
wurde ihm denn nichts zugefüttert? Nun, wenn ich das gemacht hätte, dann
wäre sein Geschrei beim nächsten mal wieder weiter gegangen, weil er
sich an der Brust ja mehr anstrengen muss. Und dann ist da auch noch die
Tatsache, dass meine Brust durch diese Vorgeschichte eh schon komplett
durcheinander geraten war, und sicherlich überhaupt nicht mehr wusste,
wie viel nun produziert werden sollte. Hätte ich David damals mit
Fertignahrung gefüttert, hätte letztendlich wieder der Saugimpuls an der
Brust gefehlt, und es wäre wieder weniger Milch produziert worden. Und
zu wenig Produktion, darunter litten wir ja eh schon.
Nun, nach dem David in der damaligen Nacht 3
Stunden geschrieen hatte, und nach dieser Zeit auch so richtig hungrig
war, konnte ich ihn dann also auch endlich wieder anlegen. Meine Brust
hatte sich in diesen drei Stunden komplett gefüllt, und so bekam David
seit Tagen zum ersten Mal wieder reichlich auf einen Schlag, und er
schlief nicht mal ein bevor er wirklich satt war. Dies war für uns der
Weg aus der Sackgasse.
Heute weiß ich, dass häufiger anlegen nichts
bringt, wenn man der Brust keine Zeit lässt, sich zu füllen. Und ich
habe erfahren, dass mindestens 2 Stunden vergehen müssen, damit die
Brust dementsprechend produzieren kann.
Milchstau und Mastitis
Ein weiteres Mal benötigte ich die Hilfe einer
Stillberaterin, als David begann, beim Saugen wie wild an meiner Brust
zu reißen. Er machte sich nichts daraus, dass er gerade meine Brustwarze
im Mund hatte, als er ruckartig den Kopf drehte, in der Gegend
herumschaute und mir so nicht nur einmal während einer Stillmahlzeit
gehörig weh tat. Er blieb eigentlich gar nicht mehr ruhig liegen. Was
war denn nun schon wieder los? Kam nicht genug Milch raus? Passte ihm
die Position nicht? War es unbequem?
Bei mir hatte sich mittlerweile ein leichter
Milchstau gebildet, denn durch dieses falsche Saugverhalten wurde die
Brust nicht mehr richtig geleert. Die Sache wurde auch ziemlich schnell
sehr schmerzhaft, und so bekam ich wieder den Tipp, David häufig
anzulegen, die Brust nach dem Stillen auszustreichen, oder den in der
Brust verbliebenen Rest raus zu pumpen. Die harte Stelle musste richtig
geleert werden, deswegen sollte ich David auch mal in der „Seitenlage“
anlegen, so dass seine Beine an meiner Seite entlang nach hinten
schauten. Die Theorie war auch hier wieder super, aber bei meinem
kleinen Busen gab es sowieso kaum einen Winkel, in dem David problemlos
saugen konnte, und selbst dabei musste die Brustwarze noch von mir
dauerhaft gehalten und somit fixiert werden, damit er sie nicht beim
Saugen verlor. Mit all diesen Hindernissen nun auch noch eine andere
Stillposition … schier unmöglich. Denn bis ich David hier endlich
richtig hingelegt hatte, war er schon so ungeduldig, dass an ein
entspanntes Stillen sowieso nicht mehr zu denken war. Und er sollte doch
ruhig liegen und ruhig saugen…
Wieder kam das Kirschkernkissen in Schwung, wieder
landeten nasse Waschlappen in der Gefriertruhe und ich erinnerte mich
auch wieder an die Globuli. Die mussten ja auch noch in der Wohnung
rumliegen…
Der Milchstau hatte sich dann schon zu einer
kleinen Mastitis ausgeweitet, als mir bedingt durch Stress dann auch
noch die Milch weg blieb. An das Stillen von damals erinnere ich mich
heute nur sehr ungern. Ich hatte Schmerzen, und allein der Gedanke, die
nächste Stillmahlzeit nahte, machte mir schon Angst. Das eine oder
andere Mal trieb es mir regelrecht die Tränen in die Augen, als ich
David anlegen musste. Als mir nun also auch noch die Milch weg blieb,
brach komplett das Chaos aus, denn ich bekam wirklich Panik, dass ich
David nicht mehr genug zum Essen geben konnte. Ich gönnte mir abends ein
Glas Sekt, trank wieder vermehrt Stilltee, und legte David im
2-Stunden-Rhythmus an. So brachte ich die Milchproduktion wieder in
Gang, und was mich am meisten verwunderte: Die gesunde Brust schien die
Aufgaben der entzundenen übernommen zu haben, denn plötzlich produzierte
die eine doppelt so viel wie die andere.
Wieder einmal lernte ich, dass sich viele Probleme
beim Stillen von selbst lösen können. Letztendlich ist es nur wichtig,
nicht aufzugeben. Im Stillcafe erfuhr ich später dann auch noch von
anderen Frauen, dass es auch hier in der Homöopathie Hilfe gibt. Nämlich
Globulis, die den Milchfluss wieder in Gang bringen.
Abstillen
Bei uns begann mit dem Zufüttern der Abendmahlzeit
eigentlich schon unmerklich für mich die Zeit des Abstillens. Der
Saugimpuls blieb aus, die Brust merkte, dass der Bedarf also scheinbar
zurück ging, und so wurde auch weniger produziert. Zunächst konnte ich
David tagsüber noch
2-3 mal stillen, und auch nachts reichte meine
Milch noch aus. Dann kamen Zeiten, da hielt die gestillte Mahlzeit nur
noch 1 Stunde als Sättigung, und ich musste die nächste Mahlzeit mit
Fertigmilch zufüttern. Und da ging dann die Produktion rapide zurück.
David war 3 ½ Monate alt, als aus beiden Brüsten
gemeinsam nur noch 50 g herauszuholen waren. Und so kam der Tag, als er
bei dem Versuch ihn anzulegen, zu schreien begann. Da wusste ich, dass
er nicht mehr an die Brust wollte, denn da kam auch kaum mehr etwas für
ihn raus. Seitdem wird David nur noch mit dem Fläschchen gefüttert.
Klar hätte ich damals die Milchproduktion wieder
anleiern können. Aber das hätte, wie ich nun schon gelernt hatte, ein
zweistündiges konsequentes Anlegen zur Folge gehabt. Und diese Prozedur
auch nachts. Und hier kommt dann meine Bequemlichkeit ins Spiel. Wie
froh war ich letztendlich, dass ich endlich durchschlafen konnte. Und
diese Freiheit wollte ich mir auch nicht mehr nehmen lassen.
Weiter erleichterte mir die Tatsache, dass David
auf die Fläschchen weniger spuckte, die Trennung vom Stillen.
Heute bin ich eigentlich zufrieden, dass ich es mit
Unterstützung meines Mannes und den vielen Ratschlägen von Fachleuten
geschafft habe, David 3 ½ Monate „natürlich“ zu ernähren. Wenn ich
andere stillende Mütter sehe, bin ich manchmal traurig, denn die
Stillzeit habe ich trotz all der Hürden als wunderbare Zeit in
Erinnerung, in der ich meinem Sohn so nah war, wie ich es wohl nie
wieder sein kann. Seine Lippen an meiner Brust, die zufrieden
geschlossenen Augen, seine kleine Hand auf meiner Brust, … Das ist für
mich Frieden und Harmonie, und ein erfüllenderes Gefühl als das Stillen
kann es für eine Mutter wohl nicht geben. Gerne denke ich an diese
wundervollen Augenblicke.
Wenn mich heute Frauen fragen, was ich von Abpumpen
und Zufüttern halte, dann rate ich jeder: Finger weg. Denn sobald man
beginnt, zuzufüttern, beginnt auch die Zeit des Abstillens. Wenn aber
die Probleme beim Stillen zu groß sind, dann rate ich jeder Frau zum
Abpumpen und Zufüttern, oder auch zum Abstillen. Denn, wenn es nicht
geht, dann geht es eben nicht. Und auch dann muss sich niemand einen
Vorwurf machen. Und David gedeiht auch heute noch prächtig, auch wenn er
(leider) auf Muttermilch verzichten muss.
Kerstin J. am 17.09.2003

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