Hier unser Erfahrungsbericht zum
Stillen:
Ich war
bereits in der 39. Schwangerschaftswoche als mein Blutdruck immer mehr
stieg ich zusätzlich Wasser in Beinen, Armen und Gesicht einlagerte.
Ich mußte mich ständig übergeben und hatte zudem Oberbauchschmerzen
rechts.
Diagnose V. a. Schwangerschaftsgestose, HELP Syndrom.
Mein Frauenarzt hat mich daraufhin sofort ins Krankenhaus zitiert.
Nachdem mein Allgemeinzustand trotz guter Leberwerte immer schlechter
wurde entschiedich mich für einen Kaiserschnitt.
Meine Hebi die mich bereits in der Schwangerschaft betreute war Gott sei
dank dabei. Der Kaiserschnitt ist für mich immer noch ein recht
schwieriger Einschnitt.
Ich bin mir in meinem ganzen Leben noch nie so hilflos und ausgeliefert
vorgekommen.
Im Aufwachraum wurde mir Timo gleich angelegt und nuckelte genüßlich an
meiner Brust.
Für mich war das so ein schönes Gefühl.
Am ersten Tag stillten wir fleißig und genossen es beide.
Nachts bekam ich plötzlich keine Luft mehr und wurde sofort mit Verdacht
auf Lungenembolie in die Notaufnahme verlegt.
Dort habe ich dann fast 7qualvolle Stunden ohne Timo verbracht ohne
anzulegen.
Wieder auf Station angekommen entdeckte ich einen Schnuller und eine
Teeflasche in Tiomos Bett. So begann unser erstes Still- Drama.
Timo lehnte meine Brust ab. Wir haben soweit es die Schmerzen zuließen
die Stillpositionen geändert und die Schwestern drückten an meiner Brust
rum und versuchten vergeblich mir beim anlegen zu helfen.
In der Krankenhausatomsphäre konnte ich dann zu guter Letzt gar nicht
mehr entspannen und wollte nur noch Heim.
Eine Schwester meinte, Timo habe das KISS Syndrom und docke deshalb
nicht richtig an.
Ich streifte also erst die Vormilch mühevoll ab und gab es ihm mit der
Spritze. Nach dem Micheinschuß pumpte ich ab um es ihm dann mit der
Flasche zu füttern.
Am 5. Tag nach der OP verließen wir das Krankenhaus.
Zuhause stand schon eine Milchpumpe und Flasche bereit.
Meine Hebi besuchte mich jeden Tag und gab mir Tips zum Stillen.
Bereits am 2. Tag nach unserer Entlassung funktionierte das Stillen,
wenn auch erstmals nur mit Stillhütchen aber immerhin.
Am 4. Tag gelang das erste mal ohne.
Ich war so erleichtert.
Leider folgte bald darauf das nächste Problem. Die berühmten 3Monats
Koliken machten auch vor meinem Timo nicht halt.
Schlaflose Nächte und Streß bedingten dann den 1. Milchstau.
Mit Fieber, Schüttelfrost und einer steinharten schmerzenden Brust
wachte ich eines Nachts auf.
Unter Tränen habe ich dann abgepumpt.
Bettruhe und ein ganz lieber Mann halfen mir diese zweite Krise zu
überstehen.
Durch die Bauchschmerzen entwickelte Timo sich zu einem sehr
anstrengendem Baby. Heute würde ich sagen: einem besonders
liebebedürfigen Baby.
Wir probierten auch die altbekannten SAB- Tropfen, Windsalbe,
Kirschkernkissen, Kümmelzäpfchen, Osteopathie....
Ich strich verschiedene Lebensmittel von meinem Speiseplan und trank nur
noch Leitungswasser und Stilltee.
Nix half. Zu allem Unglück kam auch noch hinzu, daß Timo bis zu 7 Tage
keinen Stuhlgang hatte.
Ich mußte ihm mit Fieberthermometer nachhelfen wenn er Stundenlang
geschriene hat vor Schmerzen. Außerdem spuckte er sehr viel.
Wir besuchten bereits zum 2. mal unsere Kinderärztin wegen dieser
Problematik. Wieder stellte sie vorfrüh eine Alibidiagnose:
Anpassungsschwierigkeiten!
Ich solle entspannen und mal auch an mich denken! Das wird schon.
Nach erneuten 5 Tagen ohne schlaf suchte ich die Kinderärztin erneut
auf: "Er trinkt zuviel!" "Das kann sein Verdauungstrackt noch nicht
verarbeiten."
Also bekam ich eine Waage, wo ich Timo vor und nach dem Stillen wiegen
sollte und sollte ein Trinkprotokoll für zwei Tage zu erstellen.
Nicht mehr wir 750 Gramm hieß es und nicht unter mindestens zweieinhalb
Stunden Abstand zwischen den Stillmahlzeiten.
Jetzt stellte sich heraus, mein Prinz trinkt 1000Gramm! "Von der Brust
abdocken, er trinkt zuviel!"
Da Timo ein Schnelltrinker ist und nur 10Minuten trank sollte ich ihn
nach 7 Minuten abdocken.
Außerdem sollte er Nachts nicht so oft gestillt werden. Das sei viel zu
oft.
Gott sei dank hat mir da das Stillcafe geholfen.
Man muß sich das mal vorstellen: mit Waage und Stoppuhr bewaffnet macht
stillen doch Spaß.
Wir stillten weiter sooft und solange Timo eben wollte.
Ich habe Timo in dieser Zeit sehr viel im Tragetuch getragen. So
beruhigte er sich immer am besten und schlief seelenruhig.
Von meiner Verwandtschaft mußte ich mir anhören, daß ich eine Ökomutti
sei und den Kleinen viel zu sehr verwöhne.
Die Wachstumsschübe haben wir eigentlich im Großen und ganzen ganz gut
überstanden.
Nach guten 3Monaten erfolgreichen Stillens kam nun eine neue
Herausforderung hinzu.
Timo entdeckte immer mehr und ließ sich recht leicht ablenken was dazu
führte das wir eine zeit lang nur noch im liegen und abgedunkeltem Raum
stillten.
In der 15Woche habe ich mir eine Milchpumpe (Medela Swing) gekauft, die
seitdem gute Dienste tut wenn ich mal unabhängig sein will.
Die Bauchbeschwerden sind Dank einer Homöopathin besser geworden. Timo
wurde auf Globoli eingestellt auf die er tatsächlich schon am 2. Tag
reagierte.
Mittlerweile ist Timo 5Monate alt und wir stillen immer noch
ausschließlich.
Was soll ich sagen, der ganze Aufwand hat sich gelohnt!
Timo wächst und gedeiht prima und ist ein richtig aufgewecktes Kerlchen.
Ramona F. am 23.01.2007
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