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Meine Facharbeit zur Zusatzqualifikation IBCLC:

 

Stillen – Vorteile für Mutter und Kind

 

A.   Einleitung – Meine persönlichen „Stillerfahrungen“

B.   Hauptteil:

I.                   Vorteile für die Mutter      

1.1            Förderung des Bondings

1.2            Verringerte Blutungsgefahr/Bessere Rückbildung der Gebärmutter

1.3            Späteres Einsetzen der Regelblutung/Unterstützung der natürlichen Familienplanung

1.4            Ausgeglichenheit durch Hormongleichgewicht

1.5            Erhörung von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

1.6            Gewichtsregulation

1.7            Praktische Aspekte

1.8            Schutz vor Krebs und Osteoporose

II.                Vorteile für das Kind

2.1             Bindung

2.2             Kolostrum

2.2.1        Schutz vor Infektionen/Krankheitsfall

2.2.2        Senkung des Allergierisikos

2.3             Bessere Mekoniumausscheidung

2.4             Optimale Ausbildung der Gesichtsmuskulatur und Gaumenstruktur

2.5             Geringeres Übergewichtsrisiko

2.6             Intelektuelle und motorische Entwicklung

III.                   Vorteile für die Gesellschaft

C.   Zusammenfassung  
 
A) Einleitung

 

Meine persönlichen „Stillerfahrungen“

Für mich als Kinderkrankenschwester war Stillen eigentlich immer etwas Natürliches und ich hatte es als gegeben und normal angesehen. Nach dem Examen waren mir jedoch  aufgrund meiner Tätigkeit auf einer Infektionsstation für Kinder aller Altersgruppen weder Probleme beim Stillen bekannt, noch stellte sich die Fragen nach dem Stillen überhaupt.

Mehr noch, bei den meisten Schwestern und Ärzten wurde aufgrund des Gesundheitszustandes unserer Patienten  Muttermilch vor jeder anderen Nahrung bevorzugt.

Umso erstaunter war ich, als ich vor  anderthalb Jahren die Arbeit auf einer integrierten Wochenstation aufnahm:

Viele Frauen wollten  nicht stillen und es gab sehr viele, die innerhalb kürzester Zeit – meist noch innerhalb des Krankenhausaufenthaltes-  abstillten und natürlich wurde ich mit vielen Problemen beim Stillen konfrontiert, wie etwa Schwierigkeiten beim Anlegen des Kindes, Milchstau, Mastitis usw.

Oft gab es Wochen, in denen wir mehr abgestillte Frauen als Stillende auf  Station hatten.

Was ich zudem feststellte war, dass sich die Mehrheit der Frauen überhaupt keine Gedanken zum Thema Stillen in der Schwangerschaft gemacht hatte.                                                   

Die häufigste Antwort auf die Frage „Möchten Sie später einmal Stillen?“ war „Ich werde es mal versuchen“.

Die wenigsten Frauen waren sich nicht sicher, ob sie ihr Baby stillen sollten oder nicht und es gab jetzt auch weiter keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, weil die Geburt ja kurz bevorstand.

Nach der Entbindung zeigte sich dann auch sehr bald, dass die Frauen nicht wussten, wie sie sich nun mit dem Kind verhalten sollten. Häufig fragten mich die Mütter, ob denn die Kinder auch genügend Milch erhielten, wie oft das Baby jetzt angelegt werden sollte, usw.

Die meisten waren total überrascht, als Stunden nach der Entbindung schon Vormilch aus der Brust kam.

Oft genannte Gründe für das Zufüttern oder sofortige Abstillen waren, dass man somit die genaue Menge an Flüssigkeit bzw. Nahrung sieht, die das Kind aufnimmt, ohne die nervenaufreibenden Stillproben durchführen zu müssen. Genau dies ist nämlich die größte Sorge in den ersten Lebenstagen vor dem Milcheinschuß. Die meisten Mütter wissen nicht, dass ihr Baby mit dem Kolostrum genügend Nahrung  und vor allem die wertvollen Inhaltsstoffe – auf die ich später noch näher eingehen werde- erhält.

Ich hatte dass Gefühl, dass es fast keine Mütter mit einer annähernd „normalen“ Stillbeziehung gab und wenn doch, waren es meist zweit- oder drittgebärende, Mütter, die also schon Stillerfahrung hatten.

So war ich sehr froh, als mir die Möglichkeit gegeben wurde, an einer Ausbildung zur Still- und Laktationsberatung teilzunehmen.

Nach dem ersten Seminar, welches die Vorteile des Stillens für Mutter und Kind zum Inhalt hatte, war ich noch erstaunter, weshalb nicht jede Mutter den Wunsch zu Stillen hat, um so ihrem Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.

Ebenso lernte ich auch die Vorzüge des Stillens sowohl für Familie und Gesellschaft kennen.. 

Natürlich muss auch erwähnt werden, dass es Situationen (kindliche oder mütterlicher Notfall), Krankheiten (z.B. aktive Tuberkulose) oder notwendige Medikamente gibt, in denen das Abstillen zum Wohle aller angezeigt ist- obwohl dies meist Ausnahmen darstellen.

Aufgrund der herrschenden Unsicherheit und fehlenden Kenntnis möchte ich hier jedoch die Vorteile des Stillens für Mutter, Kind und Gesellschaft zusammentragen, um in meiner zukünftigen Tätigkeit möglichst viele Frauen zu unterstützen, eines der natürlichsten Dinge der Welt wertzuschätzen und zu praktizieren.

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B) Hauptteil

 I.       Vorteile für die Mutter

1.1    Förderung des Bondings

Viele Frauen wissen nicht, dass die Stillbeziehung schon im Kreißsaal mit dem ersten Anlegen nach der Entbindung beginnt.

Mutter und Kind haben jetzt die Gelegenheit, sich näher kennen zu lernen, zu entspannen und mit dem aller ersten Stillversuch „die Verbindung“ wieder herzustellen, „die noch vor kurzem abgerissen schien.“(29)

Natürlich kann dies – falls es die Umstände nötig machen- auch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, es kann aber sein, dass dann das Neugeborene nicht mehr so wach und aktiv ist, da „ in der ersten halben Stunde...das Saugbedürfnis des Neugeborenen am stärksten“ (3) ist.

Sowohl die Mutter als auch das Kind sollten sich viel Zeit für diese empfindliche Phase nach der Entbindung nehmen, es sollte kein Druck von außen auf sie ausgeübt werden (Baby waschen, messen usw.):

„Beim Stillen fühlt sich das Baby geborgen und sicher. Es spürt die Haut seiner Mutter, hört ihren Herzschlag und kann den Blickkontakt mit ihr aufnehmen.“(28)

Dieses sogenannte Bonding kann Auswirkungen auf die gesamte spätere Stillzeit haben, weil es der Beginn einer der innigsten zwischenmenschlichen Beziehungen ist.

Durch das Stillen wird die Beziehung, die Mutter und Kind während der Schwangerschaft verbunden hat, wieder erneuert und ebenso gestärkt. „Das Stillen intensiviert physiologisch die „Mütterlichkeit“ (5) der Frau, die Freude daran, ihr Kind zu umsorgen.

„Je mehr Zeit sie in den ersten Stunden gemeinsam verbringen können, desto besser für sie beide und die entstehende Bindung zwischen ihnen.“(6)  Zudem wurde in Studien in Schweden festgestellt, dass die Mütter mit frühem Kontakt  mit den Neugeborenen diese auch länger gestillt haben. (4)

1.2    Verringerte Blutungsgefahr/bessere Rückbildung der Gebärmutter

Ein weitere Vorteil besteht in der geringeren Gefahr einer Nachblutung nach der Geburt. Durch frühes Anlegen wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, was zu Kontraktionen der Gebärmutter führt, somit wird die Plazenta schneller ausgestoßen und Nachblutungen können verhindert werden. Bei jedem weiteren Anlegen wird ebenfalls Oxytocin ausgeschüttet, was eine frühere Rückbildung des Uterus fördert.

1.3    Späteres Einsetzen der Regelblutung und Unterstützung  der natürlichen Familienplanung

Zudem führt der höhere Prolaktinspiegel zu einem späteren Wiedereinsetzen der Monatsblutung, was viele Frauen zum einen als sehr angenehm empfinden, und was zum anderen zu einer natürlichen Familienplanung beitragen kann.

Man darf aber nicht vergessen, dass hier das ausschließliche Stillen – also alle 4h- gemeint ist, was den Prolaktinspiegel hoch hält und eine Ovulation verhindert.

1.4    Ausgeglichenheit durch Hormongleichgewicht

Das Hormon Prolaktin hat auf die Mutter einen besänftigenden, dämpfenden Einfluß. Es wird auch Mütterlichkeitshormon genannt. Es wird schon bei Berührung von Körperhaut oder Brustwarze produziert.Die Mutter wird somit gelassener, ruhiger und kann sich so besser auf die neue Situation mit dem Neugeborenen einstellen.

Eine Mutter, die auf einen guten Stillbeginn zurückblicken kann, wird sich  eher in die nun beginnende Mutterrolle einfinden und eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls und – bewußtseins erfahren: Für eine Frau ist es eine sehr bemerkenswerte Erfahrung, dass sie jetzt durch ihre „lebensspende  Fähigkeit... einen Menschen ernähren“... kann.(30)

1.5    Erhöhung von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

Viele Frauen trauen sich oft Stillen einfach nicht zu. Neben dem Satz, dass sie es einmal probieren werden, höre ich vielfach, „Mal schauen, ob ich es schaffe“.

Die mangelnde Akzeptanz in der Öffentlichkeit tut dann noch einiges dazu, dass doch die meisten Stillenden spätestens ab dem 3. Monat doch aufhören.

„Eine stillende Frau ist in der Lage, ganz allein, ganz selbstständig, völlig aus sich heraus, einen anderen Menschen zu ernähren.“(34)

Wenn sich mehr Frauen dieser lebensspenden Fähigkeit  bewusst werden, kann dies enorm zur Steigerung des Selbstbewusstseins beitragen.

     1.6  Gewichtsregulation

Ein weiterer, doch wichtiger Vorteil ist weiterhin, dass die Mutter aufgrund des erhöhten Kalorienverbrauchs in der Stillzeit schneller ihr Ausgangsgewicht wiedererlangen kann.

Wobei natürlich das Stillen nicht als Möglichkeit einer Diät gewertet werden kann, da die Stillende sehr wohl Wert auf ausreichend Flüssigkeit und ausgewogene Ernährung  legen sollte. Genauso wie eine vor der Schwangerschaft übergewichtige Frau nicht unbedingt nach der Stillzeit ihr Idealgewicht erreichen kann.

    1.7 Praktische Aspekte

Was weiter nicht außer acht gelassen werden sollte, ist, dass Stillen für die Mutter einfach praktisch und bequem  ist.  Muttermilch ist immer in der richtigen Temperatur, Zusammensetzung und vor allem hygienisch sauber vorhanden. Die Mutter ist somit von vielen Faktoren, wie z.B. Milchzubereitung, Säuberung der Flaschen, Vorräte, Ladenöffnungszeiten, Witterung usw. unabhängig.

Sie ist sozusagen „ihr eigener Herr“.

Ferner braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, wann mit einer weiterführenden Nahrung begonnen werden sollte, da die Muttermilch sich immer dem jeweiligen Alter und Gegebenheiten des Kindes anpasst. Diese Sorge kann somit den Müttern genommen werden, jene Frage taucht nämlich immer bei „Flaschenkindern“ auf, da bei Umstellung Nichtvertragen oder sogar Durchfall befürchtet wird.

Zudem stellt das Stillen gegenüber der Formulaernährung doch eine beträchtliche Geldersparnis dar – in einem halben Jahr bis zu 1200 DM! (31)

    1.8 Schutz vor Krebs und Osteoporose

Untersuchungen haben ergeben, dass Stillen das Risiko an verschiedenen Krebsformen (Brust, Ovar, Endometrium, Zervix)  zu erkranken senkt.

Des weiteren kann Osteoporose verhindert werden, zwar wird während der Stillzeit enorm viel Calcium aus dem Knochen gelöst, doch danach wurden extrem hohe Dichtungswerte festgestellt.

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II.       Vorteile für das Kind

 

Neben den schon eben aufgeführten Vorteilen des Stillens für die Mutter dürfen natürlich die genauso wichtigen Vorzüge der Muttermilch für das Kind nicht vergessen werden!

    2.1 Bindung

Genauso wie bei der Mutter hat der sofortige, erste Stillversuch nach der Entbindung den gleichen Effekt auf das Neugeborene. Das Kind kann sich nach dem enormen Kraftaufwand und Stress nach der Entbindung bei der Mutter erholen. Es wird gestreichelt, zärtlich berührt und angenommen. Durch das Stillen, wird die „symbiotische Verbindung zwischen beiden“ gefestigt. (7)

Nun können beide – Mutter und Kind – vom „Stillen...was ein Geben und Nehmen“ für sie darstellt „profitieren“.(32)

Somit kann das für die weitere Entwicklung so wichtige Urvertrauen durch die Wärme des Körperkontaktes und Geborgenheit aufgebaut werden, denn die „Bindung des Babys an die Mutter beruht nicht nur alleine auf die Befriedigung des Hungers.(27)

    2.2  Kolostrum

Die erste Nahrung, die das Neugeborene bei diesem ersten Stillen erhält ist das Kolostrum- auch Vormilch genannt. Diese erste Nahrung wird bereits ab dem 5. Schwangerschaftsmonat gebildet und bleibt bis zum ungefähr 5. Lebenstag, bis die „reife Muttermilch“ einschießt.

 In meiner täglichen Arbeit bezeichne ich diese Vormilch oft auch als „Supermilch“ (35)denn viele Frauen wissen mit dem Begriff nicht allzu viel anzufangen und wollen zufüttern, weil eben davon ihrer Meinung nach einfach zu wenig da ist.

Aufgrund der doch großen Anfangsschwierigkeiten innerhalb der ersten „Stilltage“ möchte ich doch näher auf den „Wunderstoff“ Kolostrum eingehen, um seine enormen Vorteile aufzuzeigen und erläutern, warum Stillen in den ersten Lebenstagen so große Vorzüge für ein Kind darstellen kann.

 Ein wahrer „Wunderstoff`ist Kolostrum, weil es „in seiner Zusammensetzung anders als die reife Frauenmilch, sie ist dickflüssig und hat eine gelbliche Farbe (Karotin). Im Gegensatz zu Muttermilch die dünnflüssig, fast wässrig und weiß mit bläulichem Schimmer.“ (9)

Die Vormilch ist „eiweißreich und enthält viele Vitamine, aber wenig Fette und Zucker. Dadurch ist sie kalorienarm und für das Neugeborene, das sich erst an Nahrung gewöhnen muss, leichter zu verdauen.“(10)

Wichtig ist auch die Menge an Kolostrum welches das Neugeborene in den ersten Tagen aufnimmt. Da sich der Magen des Neugeborenen erst noch an Nahrung gewöhnen muss, ist es pro Mahlzeit nur eine geringe Menge. Diese ist genau an die noch nicht voll funktionsfähige Nieren- und Darmfunktion angepasst, sie ist für das Baby ausreichend, weil es mit einem für ca. 5-7 Tage ausreichenden Fettdepot geboren wird.

    2.2.1 Schutz vor Infektionen/Krankheitsfall meist seltener und schwächer

Der aber wesentlichste Vorteil des Kolostrums  liegt in der enormen Anzahl an Antikörper – „ein Tropfen Muttermilch enthält etwa 4000 lebende Zellen“(11) was den großen Infektionsschutz für das Neugeborene darstellt. Zwar hat es schon einen Teil an Immunstoffen über die Plazenta erhalten, jede weitere Abwehr erhält das Kind aber dann über das Kolostrum.

Die Abwehrstoffe (v.a. das Immunglobulin A, welches das Neugeborene nicht selbst produzieren kann), die jetzt in der Vormilch enthalten sind, werden nie mehr in so großer Menge in reifer Muttermilch enthalten sein.

„Ein Baby, das in den ersten Tagen viel Vormilch trinkt, wird also allein durch das Trinken auf natürliche Weise geimpft“(12), diese Impfung schütz das Neugeborene vor der Flut von Keimen und Bakterien mit denen es sich nach der Entbindung auseinandersetzen muss.

Das Kind wird vor genau den Stoffen geschützt, mit denen die Mutter in der Schwangerschaft Kontakt hatte. Die meisten Abwehrstoffe betreffen den Atmungs- und Verdauungstrakt des Neugeborenen, dieses „kleidet den kindlichen Darm von innen aus und erschwert damit das Eindringen von Keimen und allergieauslösenden Stoffen“. (8)

Reife Muttermilch enthält immer noch eine gewisse Anzahl an Abwehrstoffen, sogar im Falle einer Erkrankung stellt sich die Frauenmilch dann jeweils auf die Bedürfnisse des Kindes ein. „Muttermilch ist eine lebende Substanz, die sich in ihrer Zusammensetzung je nach dem Bedürfnis des Babys und Stillphase verändert und dabei innerhalb eines Tages und sogar während einer Mahlzeit stark schwankt.(13)

Dadurch können die Kinder enorm profitieren, denn gestillte Kinder erkranken meist seltener oder die Erkrankung tritt in abgeschwächter Form auf. Somit können daraus weniger und kürzere Krankenhausaufenthalte resultieren.

Die Immunstoffe in der Muttermilch können sich auch positiv auf das gesamte Immunsystem auswirken, was zu einer Senkung des Risikos an Krebs zu erkranken führen kann.

Untersuchungen haben gezeigt, dass kaum Kinder, die voll gestillt sind, am plötzlichen Kindstod sterben. Die in Frage kommende Ursachen wie mögliche bakterielle oder virale Infekte, sogar Trennung von Mutter und Kind (lt. Ärztemagazin SELECTA, 22) können durch Stillen vorgebeugt werden.

     2.2.2 Senkung des Allergieriskos

Weiterhin wird das Allergierisiko durch Stillen beträchtlich gesenkt. Wenn ein oder beide Elternteile nachweislich an Allergien leiden, hat das Kind meist auch die Neigung dazu. „Kinder aus Allergikerfamilien sollten auf jeden Fall als Erstnahrung Kolostrum erhalten, um die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes zu versiegeln und damit vor dem Eindringen artfremder Eiweißmoleküle zu schützen.“(18)

Vor allem kann durch Muttermilchernährung  einer Kuhmilchunverträglichkeit  vorgebeugt werden. Da in  „Kuhmilch doppelt soviel Eiweiß wie in Muttermilch ist – und zudem ja körperfremdes- nimmt man an, dass ein Überangebot an solchem Eiweiß in den ersten Lebenstagen eine allergische Reaktion oder Sensibilisierung in Gang setzt, die weitere unangenehme Allergien bei den Babys hervorrufen  kann.“(14) Dies kann schon durch eine einzige Flasche künstlicher Säuglingsnahrung geschehen!

    2.3 Bessere Mekoniumausscheidung

Wovor die meisten Mütter in den ersten Lebenstagen wohl mit die meiste Angst haben, ist, dass ihr Kind „gelb“ wird, also an einer Hyperbilirubinämie leiden könnte.

Auch hier wirkt sich das frühe und konsequente Stillen deutlich auf das Neugeborene aus.

Das Kolostrum wirkt „leicht abführend und regt so die Verdauungsfunktion des Neugeborenen an“, dem Baby wird so die „Ausscheidung des Mekoniums erleichtert.“(15)

Mekonium enthält nämlich auch direktes Bilirubin, welches bei nicht frühzeitigem Ausscheiden wieder in den Blutkreislauf aufgenommen wird, aber von der noch nicht voll funktionsfähigen Leber nicht umgewandelt werden kann, was wiederum zu einem Anstieg des Bilirubinwertes führt.

    2.4  Optimale Ausbildung der Gesichtsmuskulatur und Gaumenstruktur

Ein weiterer, wichtiger Aspekt des Stillen ist, dass „Fehlstellungen der Zähne verhindert werden“ können, weil die Gaumen-Gebiß- und Gesichtslinienentwicklung der gestillten Kinder besser ist , da  die Muskeln beim Trinken an der Brust kräftiger arbeiten.“(16)

Es ist schon sehr beeindruckend,  wenn man bedenkt, dass Brusttrinken ca. „sechzigmal mehr Energie“ als an der Flasche trinken, erfordert und die „Kiefermuskeln...dreimal stärker als die eines Erwachsenen“ sind. (21)

Zudem erläuterte die Studie von Dr. Francis M. Pottenger jun. und Dr. Bernhard Krohn, dass es „ratsam ist, ein Kind mindestens 3 Monate, am besten aber 6 Monate zu stillen. Es führt zu einer optimalen Entwicklung der Backenknochen- und Gaumenregion“...., zudem „wurde eine besser entwickelte Gaumen- und Gesichtsstruktur“ festgestellt.(17)

Ferner trägt Stillen zum Schutz vor Karies bei, denn beim Stillen saugt das Baby die Milch mit der Zunge aus der Brust, anders als bei Flaschenernährung, wo die „stark gesüßte Nahrung mit der Zunge an die vorhandenen Vorderzähne gepresst wird“. (20)

    2.5  Geringeres Übergewichtsrisiko

Durch Muttermilchernährung kann kein Überangebot und somit kein „Überfüttern“ entstehen, denn die Kinder „trinken nur so viel und so soft, wie sie hungrig sind“...man kann sie nicht „zu einer Mahlzeit zwingen“. Des weiteren kann „ die sich ständig verändernde Beschaffenheit und Fließgeschwindigkeit der Muttermilch mit einem Mechanismus zur Kontrolle des Appetits zusammenhängen... , es hilft dem Baby sich satt und zufrieden zu fühlen, wenn der Fettgehalt der Muttermilch zunimmt.“(23) Am Anfang einer Brustmahlzeit ist die Milch dünnflüssig um den Durst des Säuglings zu stillen, je zähflüssiger sie wird, umso kalorienreichere Hintermilch erhält das Kind.“ Der geringer werdende Milchfluß zeigt ihm, wann es Zeit ist aufzuhören.“(23a)  So entwickeln es seinen „eigenen Rhythmus und eine gesunde Beziehung zum Essen“.(19).

Dadurch wird die Gefahr, später einmal an Übergewicht zu leiden doch erheblich herabgesetzt.

    2.6. Intellektuelle und motorische Entwicklung

Aufgrund des regelmäßigen Seitenwechsels beim Stillen wird sowohl die Augen-Handkoordination als auch die intellektuelle Entwicklung gefördert.

In Studien von Dr. C.Hoefer und Dr. M C. Hardy (Chicago) wurde festgestellt, dass gestillte Kinder „Flaschenkinder physisch und geistig überlegen waren, vier bis neun Monate gestillte Kinder entwickelten sich schneller und besser, als Kinder, die nur drei oder weniger Monate gestillt worden waren. Flaschenkinder nahmen bei jeder physischen Untersuchung den untersten Rang ein. Sie waren am schlechtesten ernährt, am anfälligsten gegenüber Kinderkrankheiten und lernten nur langsam gehen und sprechen.“(25)

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III.       Vorteile für die Gesellschaft

 

Natürlich kann man sich jetzt die Frage stellen, welche Vorteile es wohl für die Gesellschaft hätte, wenn Frauen ihre Kinder wieder vermehrt stillen als mit der Flasche ernähren, zudem viele noch Stillen für eine unschickliche Angelegenheit vor allem in der Öffentlichkeit halten.

 „Es ist schwer zu sagen, weshalb die Vorteile und Freuden des Stillens solange übersehen werden konnten und Flaschenernährung ursprünglich als Ersatznahrung für die wenigen Säuglinge gedacht, die sie wirklich benötigen, zur Mode wurden.“(2)?

Vielleicht kam dieser Negativ-Trend bezüglich Stillen durch die vielen Schreckensmeldungen von verseuchter Muttermilch zustande.

Nach aktuellen Empfehlungen der nationalen Stillkommission am Robert Koch Institut in Berlin (1995) lässt sich jedoch feststellen, dass „PCB und Dioxine um 50% und Organochlorpestizide um 50-80%“ zurückgegangen sind.

Daher sieht „ die Kommission in diesen Rückständen allerdings keine gesundheitliches Risiko für den Säugling und somit keinen Anlass für irgendwelche Einschränkungen des Stillens“

Was ebenso dadurch gestärkt wird, wenn man sich vor Augen hält, dass „all diese Giftstoffe...auch zum Teil in noch höherer Konzentration in Kuhmilch und der daraus hergestellten Babynahrung enthalten“ ist. (33)     

Oder ist es nicht einfach Faulheit bzw. Unachtsamkeit gegenüber der eigenen Natur, die dazu führt, dass Stillen als peinlich statt natürlich betrachtet wird? Und man dem Baby lieber eine Plastikflasche reinsteckt, statt Nähe aufkommen zu lassen?

Durch eine glückliche Stillerfahrung kann eine Mutter ihr Kind viel besser annehmen und ihm physisch und psychisch das Beste für seine weitere Entwicklung weitergeben.

Das Kind an sich wird durch das ihm gegebene Urvertrauen selbstbewusster und somit selbstständiger im späteren Leben sein, da es die Erfahrung, angenommen zu werden erleben konnte und evtl. weitergeben wird, was eine Chance für die nächste Generation darstellt.

 Aufgrund dieser besseren, ursprünglichen Sozialisierung können Jugendkriminalität und Rowdytum günstig beeinflusst werden, denn „ dieser physische Kontakt mit einem anderen Lebewesen ist eine wesentliche Quelle des Behagens, der Sicherheit, der Wärme und der Befähigung, sich neuen Erfahrungen aufzutun.“(26) Ein weiterer Vorteil – der schon bei den kindlichen erwähnt wurde- liegt in den Kostendämpfung innerhalb des Gesundheitswesen. Durch die niedrigere Erkrankungsrate können Arzneimittel- und Krankenhausaufenthaltskosten eingespart werden.

Ebenso kann eine Stillende Frau einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Sämtliche Rohstoffe und Energie für die Milchproduktion trät sie in sich, sie müssen nicht erst hergestellt werden..

Natürlich muss neben der Herstellung auch die Entsorgung bzw. Recycling aller Utensilien bei Flaschenernährung  und deren Kosten bedacht werden.

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C) Zusammenfassung

Abschließend möchte ich hier noch einen Teil eines Gesprächs mit einer Mutter einfließen lassen, die ich im letzten Treffen der Stillgruppe begegnete.

Sie hat vor ca. 1 Jahr bei uns entbunden (Sectio) und wollte nun von mir wissen, wann sie denn jetzt abstillen sollte.

Ich fragte sie, ob es denn Probleme gäbe. Eigentlich nicht und sie stille sehr gerne, aber ihre Familie (Schwiegermutter) ist der Meinung, dass es nun an der Zeit wäre abzustillen.

Ich riet ihr, auf sich selbst zu hören. Sie und ihr Kind können den Zeitpunkt absolut selbst bestimmen.

Sie war so erleichtert, dass von mir zu hören, denn sie wollte gar nicht aufhören; Stillen gibt ihr und ihrem Kind noch immer soviel Wärme und Liebe und beide genießen die abendliche Stillmahlzeit.

Stillen kann Mutter und Kind unendlich nah bringen, deswegen sollte es jede Mutter wenigstens die ersten Tage versuchen, um ihren Kind den wichtigen physischen und psychischen Schutz mitzugeben.

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Literaturverzeichnis:

    1. Stillen  Handbuch von A-Z, C.Lauterbour, M. Lechners, C. Thommes, RORORO

      3, 16 (S. 11)

    1. Geburt und Stillen, Michel Odent, Beck´sche Reihe
    2. Erfolgreich Stillen, Joan Neilson, ECON Ratgeber

1 (S.13), 2 (S.11), 6 (S.30), 13 (S.12)

    1. Das Stillbuch, Hanny Lothorp, Kösel

18 (S. 26), 19 (S.28), 20 (S.29), 21 (S. 29), 22 (S. 29)

    1. Stillen- Brücke zwischen Mutter und Kind, Patricia Mennen, Südwest

10 (S.19), 12 (S.19), 14 (S.9),23 (S. 28), 23a (S.28)

    1. Ratgeber Stillen, Susanne Jäckle, Dreisam

9 (S.56), 15 (S.21), 27 (S. 43)

    1. Körperkontakt, Ashley Montagu, Klett-Cotta

5 (S.56), 7 (S. 56), 17 (S. 59), 25 (S. 58), 26(S. 64)

    1. Stillen, Márta Guóth-Gumberger, Elizabeth Hormann, GU

8 (S. 15), 11 (S.15), 31 (S16)

    1. Bonding, Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen

4(S.2)

    1. Ich stille mein Baby. Das umfassende Handbuch für die junge Mutter. Kitzinger Sheila, München 1989
    2. Stillen bleibt das Beste, Nadine Reichert, Ratgeber Ausgabe 6/92

28 (S. 855)

    1. Stillen – das Beste für ihr Baby, Regina Hilsberg, rororo

29 (S. 12)

    1. Stillen trotz verseuchter Umwelt?, Elke Pröstler, ÖKO 5
    2. Stillen Jede kann es, keine muß es, Eva Dörpinghaus, Kunstmann

30 (S.11), 32 (S. 12), 34 (S. 11)

    1. Stillen, Máire Messenger, Ravensburger

33 (S. 12)

    1. Erstes Anlegen- Bedeutung des Kolostrums, Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen

35 (S1)